Reden
Cécile Weber (FeminisTisch Buchs)
Körperliche Selbstbestimmung und Feminismus
Vielen Dank, dass ich heute im Namen des Buxer Vereins Feminis-Tisch auch eine Rede halten darf. Mein Name ist Cécile Weber und ich bin im Vorstand eben dieses Buxer Vereins Feminis-Tisch. 2023, nach der feministischen Streik-Demo in Bux, haben wir mit öffentlichen Treffen angefangen, um sich monatlich unter Interessierten auszutauschen. Seit Januar 2025 sind wir ein Verein und organisieren monatlich Treffen, Anlässe, Workshops, Lesungen etc.
Heute, an diesem 14. Juni, stehen wir hier zusammen in Vaduz. Nicht nur, um zu erinnern, nicht nur, um sichtbar zu sein – sondern um klar zu sagen: Unsere Körper gehören uns. Körperliche Selbstbestimmung ist kein Nebenthema in der feministischen Bewegung. Sie ist sein Fundament. Ohne sie gibt es keine echte Freiheit, keine Gleichberechtigung, keine Gerechtigkeit. Denn wer nicht über den eigenen Körper entscheiden kann, kann auch nicht wirklich über das eigene Leben bestimmen. Und trotzdem wird genau dieses Recht immer wieder eingeschränkt. Es wird infrage gestellt, kontrolliert, bewertet. Es wird diskutiert, als wäre es verhandelbar. Doch körperliche Selbstbestimmung ist kein Privileg. Sie ist ein Grundrecht. Feminismus bedeutet, dieses Grundrecht einzufordern – für alle.
Es bedeutet zu sagen: Jeder Mensch hat das Recht, über den eigenen Körper zu entscheiden. Ohne Rechtfertigung. Ohne Angst. Ohne Scham. Und doch erleben wir jeden Tag, dass genau das nicht selbstverständlich ist. Körper werden bewertet. Sie werden normiert. Sie werden kommentiert, auf der Strasse, in den Medien, im Alltag. Es gibt klare Vorstellungen davon, wie ein Körper aussehen soll, wie er sich verhalten soll, was er leisten soll. Wer davon abweicht, spürt die Konsequenzen.
Das beginnt bei scheinbar kleinen Dingen: bei Blicken, bei Kommentaren, bei Erwartungen. Und es reicht bis hin zu strukturellen Ungleichheiten: beim Zugang zu medizinischer Versorgung, bei der Anerkennung von Identitäten, bei der Frage, wessen Entscheidungen ernst genommen werden und wessen nicht. Körperliche Selbstbestimmung bedeutet deshalb mehr als nur individuelle Freiheit. Sie bedeutet auch, diese vom Patriarchat geprägten Strukturen zu erkennen und zu verändern. Sie bedeutet, dass wir uns gegen Normen stellen, die Menschen einschränken. Dass wir Räume schaffen, in denen Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern respektiert wird. Dass wir aufhören, Körper zu kontrollieren, und anfangen, sie zu respektieren. Denn jeder Körper ist anders. Jede Lebensrealität ist anders. Und genau das muss Platz haben.
Feminismus heisst, diese Vielfalt sichtbar zu machen und zu verteidigen. Denjenigen zuzuhören, die besonders oft übergangen werden, und/oder deren Stimmen zu lange ignoriert wurden. Denn körperliche Selbstbestimmung betrifft nicht alle Menschen auf die gleiche Weise. Für manche ist sie stärker eingeschränkt. Durch Geschlecht. Durch Herkunft. Durch Identität. Durch gesellschaftliche Zuschreibungen.
Deshalb ist Feminismus immer auch ein Kampf für Gerechtigkeit in all ihren Dimensionen. Ein Kampf gegen Diskriminierung. Ein Kampf gegen Kontrolle. Ein Kampf gegen die Vorstellung, dass manche mehr über einen Körper bestimmen dürfen als die Person selbst. Und ja, dieser Kampf ist nicht immer einfach. Hier in Liechtenstein sehen wir es besonders in Bezug zum aktuellen Thema der Fristenlösung. Denn er fordert Veränderung. Er fordert, bestehende Strukturen zu hinterfragen. Er fordert, Macht neu zu verteilen.
Aber genau das ist notwendig. Denn ohne körperliche Selbstbestimmung bleibt Gleichberechtigung unvollständig. Solange Menschen nicht frei über ihren Körper entscheiden können, bleiben sie abhängig von gesellschaftlichen Erwartungen, von politischen Entscheidungen, von fremden Meinungen. Und genau das akzeptieren wir nicht.
Der feministische Streiktag ist ein Moment, in dem wir das sichtbar machen. Ein Moment, in dem wir laut werden. Ein Moment, in dem wir sagen: So wie es ist, reicht es nicht.
Er erinnert uns daran, dass Rechte nicht selbstverständlich sind. Dass sie erkämpft wurden und immer noch werden, und dass sie immer wieder verteidigt werden müssen. Und er erinnert uns auch daran, dass wir nicht allein sind.
Dass wir viele sind. Dass wir verbunden sind. Dass unsere Stimmen Gewicht haben. Heute stehen wir hier in Vaduz: Gemeinsam. Unterschiedlich. Stark.
Körperliche Selbstbestimmung heisst:
Dass ich selbst entscheide, wie ich lebe. Wie ich aussehe. Wie ich mich identifiziere. Was ich mit meinem Körper tue,und was nicht.
Ohne Angst vor Konsequenzen. Ohne Druck. Ohne Gewalt. Es ist ein einfaches Prinzip. Und doch ist es bis heute nicht vollständig verwirklicht.
Deshalb sind wir hier. Um zu erinnern. Um zu fordern. Um zu verändern. Feminismus ist kein abgeschlossener Kampf. Er ist eine Bewegung. Eine, die weitergeht. Eine, die wächst. Eine, die sich nicht mit halben Lösungen zufriedengibt. Eine, die für alle Menschen eine bessere Lebensrealität gestaltet. Und diese Bewegung lebt von Menschen wie uns. Von Menschen, die nicht wegschauen. Die nicht schweigen. Die sich einsetzen – für sich selbst und für andere. Am 14. Juni setzen wir gemeinsam ein Zeichen. Für Freiheit. Für Würde. Für Selbstbestimmung. Und wir machen klar: Wir geben uns nicht mit weniger zufrieden. Unsere Körper gehören uns. Heute. Morgen. Und in Zukunft.
Danke.